Worms-City - Wir in Worms

Dreifaltigkeitskirche

Als Worms im Jahr 1689 durch französische Truppen zerstört wurde, fiel auch der prächtige, die „Münze“ genannte Rathaus- und Verwaltungskomplex den Flammen zum Opfer. Die ausgebrannte Ruine stand noch 30 Jahre lang am Marktplatz gegenüber dem Dom. An einen Wiederaufbau war aufgrund der wirtschaftlichen Notlage der Stadt nicht zu denken.

Außerdem war die alte „Münze“ ein Symbol für den Stolz und den Reichtum der Bürger der freien Reichsstadt Worms gewesen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatte das verarmte und politisch nahezu bedeutungslos gewordene Worms schlicht keine Verwendung mehr für ein solches Gebäude. Der Rat bezog deshalb nach seiner Rückkehr aus dem Frankfurter Exil die viel bescheideneren Räume des Bürgerhofes an der Hagenstraße.

Dringenden Bedarf gab es allerdings in einem anderen Bereich. Worms war seit dem Jahr 1527 mehrheitlich lutherisch, und schon lange vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg hatte es einen Mangel an Kirchenräumen gegeben. Zwar war die Magnuskirche schon früh für den lutherischen Gottesdienst in Beschlag genommen worden, aber es hatte immer wieder Streitigkeiten um die Nutzungsrechte gegeben, so daß zeitweise sogar das Tanzhaus am Obermarkt als Gebetsraum genutzt werden mußte. Nun wurde beschlossen, eine Kirche an der Stelle der alten „Münze“ zu errichten, in der die gesamte lutherische Gemeinde Platz finden sollte. Da man fälschlicherweise annahm, daß Luthers Auftritt auf dem Wormser Reichstag von 1521 in der „Münze“ stattgefunden habe – in Wirklichkeit hatte der Reformator im Bischofshof gesprochen – war der Ort auch von hohem symbolischen Wert. Die Grundsteinplakette an der Kanzel der Dreifaltigkeitskirche verkündet noch heute stolz: „So setzt mich Gott nun an den Ort, wo Luther eh bekannt sein Wort.“


 

Im Jahr 1709 wurde mit dem Bau begonnen. Aufgrund finanzieller Engpässe wurde die Kirche jedoch erst 1725 fertiggestellt.

Die Pläne des kurpfälzischen Capitain-Ingenieur Villiancourt hatten eigentlich vorgesehen, die Dreifaltigkeitskirche in ein Ensemble mit Rathaus und Schule einzubinden. Dies erwies sich als nicht durchführbar, und so klaffte an dieser exponierten Stelle der Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrunderts eine Lücke, die erst durch das Cornelianum gefüllt werden konnte. Die Kirche selbst ist ein schlichter, aber doch repräsentativer Barockbau mit einem 58m hohen Turm, der von einer Galerie geschmückt wird. Die verwendete Bausubstanz stammte teils von der zerstörten „Münze“ und Teilen der alten Stadtmauer. Der Innenraum war durch hochwertige Deckenmalereien und eine umlaufende Emporen geprägt.

 

Nach den schweren Zerstörungen des Kriegsjahrs 1945 wurde das Gotteshaus, innen verändert, nach Plänen Prof. Otto Bartnings aus Heidelberg wieder aufgebaut.

Ein Zyklus von 15 Buntglasfenstern zum Thema der Verbindung biblischer Szenen mit dem Glaubensbekenntnis und das Mosaik „Luther vor Kaiser Karl V.“ sind besonders bemerkenswert. Die beiden Portale zum Marktplatz hin wurden von dem Stuttgarter Künstler Ulrich Henn geschaffen. Zwei Gedenktafeln links und rechts des Hauptportals erinnern an Luthers Auftritt auf dem Wormser Reichstag und an die Geschichte der Kirche selbst.

Textquelle: regionalgeschichte.net, Johannes Gutenberg-Universität Mainz